Zack, da waren die 40 Tage auch schon wieder rum. Ostern war so schnell da und auch gleich schon wieder vorbei – und ich denke, es ist an der Zeit, ein kleines Fazit zu ziehen.

Zu Beginn der Fastenzeit habe ich mir – wie in diesem Beitrag hier festgehalten – ein paar Dinge rausgepickt, auf die ich in den folgenden Wochen verzichten wollte. Jetzt also die große Frage, die im Raum steht: habe ich mich an die mir selbst auferlegten Regeln gehalten?

So viel kann ich schonmal verraten: ich bin auch nur ein Mensch…

Der erste Punkt: fasten schlechter Gefühle

Der für mich eigentlich wichtigste Punkt von allen. Und ich muss sagen, das ist mir wirklich gut gelungen. Klar, hier und da gabs dann doch mal einen kleinen Aussetzer, wenn der Hunger sehr groß und die Menschen in der S-Bahn mal wieder sehr nervig waren, aber unterm Strich kann ich schon sagen, dass ich diese selbst auferlegte „Einschränkung“ sehr gut durchgehalten habe.

Anfangs musste ich mich noch öfter mal daran erinnern, dass bestimmte Gedanken und Gefühle weggeschoben werden sollten, aber schon nach kurzer Zeit war das auch nicht mehr notwendig. Es war schnell so, dass ich in Situationen, die mich früher geärgert haben, doch immer etwas positives sehen konnte.
Gedränge in der S-Bahn? Sehr gut, muss ich mich nicht selbst festhalten und warm ists auch noch.
Verspätungen? Sehr gut, mehr Zeit, um zu lesen.
Hunger? Sehr gut, Zeit für ein Stückchen Schokolade oder eine Nussschnecke (glücklicherweise habe ich mir ja Süßigkeiten nicht verboten 😉 ).

Der zweite Punkt: fasten von Zeitfressern.

Auch hier wars ein Erfolg auf ganzer Linie.
Sehr schnell haben mir Facebook und Co nicht mehr gefehlt, der unbewusste Zwang, etwas zu teilen oder schnell zu scrollen um zu sehen, was es Neues gibt verschwand schon in der ersten Woche. Ich hätte nie gedacht, wieviel mehr Zeit ich plötzlich doch hatte. Zeit, um zu lesen, Zeit, um mit dem Hund zu kuscheln, Zeit, um zu lernen.
Auch meine Konzentrationsfähigkeit hat einen gewaltigen Sprung gemacht, der Handyakku hielt auf einmal Tage, statt nur Stunden. Und ich hatte absolut nicht das Gefühl, etwas zu verpassen.

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Der dritte Punkt: fasten von „mache ich später“

Tja.
Was soll ich sagen.
Hier habe ich auf ganzer Linie versagt.

Nicht einmal eine Woche hats gedauert und ich war wieder im alten Trott drin – mein Schweinehund hatte absolut Recht. Dass es so schwer werden würde, in dieser Hinsicht über den eigenen Schatten zu springen, hätte ich wirklich nicht erwartet.

An manchen Tagen hats mehr oder weniger gut funktioniert, an anderen dagegen absolut nicht. Ich dachte auch schon gar nicht mehr daran, dass das ja eigentlich ein Punkt auf meiner Fastenliste war. Die Anziehungskraft der Couch war oftmals zu groß und die Zeit, die ich durch das Fasten der Zeitfresser gewonnen habe, habe ich nicht so wirklich in „sinnvolle“ Dinge wie Haushalt oder Buchhaltung gesteckt.

Insgesamt habe ich zwar schon mehr dieser ärgerlich-sinnvollen Dinge erledigt, aber so wirklich durchschlagend war der Erfolg hier wirklich nicht.

Und jetzt?

Einfach nur so zu fasten, um des Fasten willens würde mir nicht reichen. Nur diese 40 Tage durchzuhalten, um am Ende sagen zu können: ja, passt, 40 Tage geschafft, zurück zur Routine. Nein. Das hätte für mich nur wenig Sinn.

Ich habe es ja auch schon im Startpost erwähnt: für mich waren diese 40 Tage auch eine Zeit des Reflektierens und sich-bewusst-machens. Brauche ich gewisse Dinge in meinem Leben, für mein kleines Fotogewerbe oder kann ich ihnen freundlich die Türe nach draußen zeigen?

Für mich waren diese paar Wochen wirklich spannend und auch ziemlich erhellend.
Ich werde auf jeden Fall weiterhin die schlechten Gefühle so weit wie möglich fasten. Es lebt sich so viel entspannter und leichter, wenn man für sich selbst auch in früher vielleicht als schlimm angesehenen Situationen die positiven Seiten findet.

Auch werde ich weiterhin auf Social Media verzichten. Ich weiß nicht, ob ich schon den nächsten Schritt gehen soll, um die Accounts zu löschen, da ich mit einigen Personen doch nur über diese Plattformen regelmäßig in Kontakt stehe. Früher oder später wird das jedoch passieren. Einen echten Mehrwert bringt es mir nicht, mich in diesen von Algorithmen vorgegebenen Filterblasen zu bewegen (aber das ist ein großes Thema, das ich mir für einen anderen Beitrag aufheben werde).

Um aber weiterhin die Personen, die es interessiert über Blogartikel, Neuigkeiten und Aktionen zu informieren, werde ich in naher Zukunft einen Newsletter einrichten – ich bin schon sehr gespannt, ob das dann alles so funktionieren wird, wie ich mir das vorstelle 😊

Der letzte Punkt… Nun, da möchte ich auch weiterhin an mir arbeiten. Ich denke, dass es mein Leben auch bereichern kann, wenn ich die Aufschieberitis zumindest so halbwegs in den Griff bekomme. Ich bin mir sicher, dass ich sie nicht ganz aus meinem Leben verbannen kann, dafür lebe ich schon zu lange mit ihr, aber andererseits ist da ganz viel Potenzial und schon kleine Änderungen können einiges bewirken.

Fazit

Insgesamt bin ich sehr, sehr zufrieden mit diesem „Experiment“. Mir sind viele Dinge klar geworden, ich fühle mich positiver und aktiver.
Ganz ehrlich, ich hätte mir nicht gedacht, dass sich manche Laster so schnell abstellen lassen würden. Es war, als hätte einfach nur ein Stein des Anstoßes gefehlt, um diese Änderungen zu manifestieren. Manchmal muss man einfach nur machen, und alles fällt an den richtigen Platz.

fasten