Was, wenn mein Tier sich nicht benimmt?

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Leitfaden für Tierbesitzer

Eine der größten Sorgen, die sich „meine“ Tierbesitzer vor einem Shooting machen, ist die, dass ihr Tier sich beim Fotoshooting nicht richtig benimmt.
Ich denke daher, es ist ganz sinnvoll, euch einen kleinen Leitfaden mit an die Hand zu geben, der euch die Angst vor „falschem Benehmen“ hoffentlich ein wenig nehmen kann. Eines kann ich euch vorneweg auf jeden Fall sagen: es gibt so gut wie nichts, was ich nicht schon gesehen habe. Von Tieren, die sich einwandfrei benehmen bis hin zu Hunden und Pferden, die während des Shootings beschließen, dass es jetzt reicht und eigenständig nach Hause gehen, Katzen, die nicht unter der Couch hervorkommen, Pferde, die gezielt nach mir treten, weil ich Schuld an diesem furchtbaren Tag bin, bis hin zu Welpen, die nur auf mir herumklettern und nicht in einiger Entfernung süß sein wollen.

Wie benimmt sich ein Tier beim Fotoshooting richtig?

Einwandfreies Benehmen definiert jeder für sich anders.
Für den einen Besitzer ist es ein Erfolg, wenn das Pferd zwei Sekunden lang den Kopf aus dem Gras hebt, ein anderer Tierbesitzer sieht sein Tier erst als folgsam an, wenn es auf die kleinste Fingerbewegung angemessen reagiert.
Ein Tier benimmt sich für mich „richtig“, wenn es nicht versucht, auf mich los zu gehen 😉 Mit allen anderen Verhaltensweisen kann ich gut arbeiten und umgehen – und auch den Frust mir gegenüber kann ich verstehen, bin ich doch die böse Tante, wegen der man zu ganz falschen Uhrzeiten von der Weide gepflückt wird und dann auch noch so komische Dinge tun muss.

Für mich persönlich gibt es eigentlich kein „falsches“ Benehmen.
Das Tier reagiert auf die Umwelt, auf den Besitzer, auf das Unbekannte. Die wenigsten meiner Models waren je zuvor in so einer Situation – wie sollten sie auch wissen, wie sie sich zu benehmen haben, wenn es noch nie geübt wurde?
Man muss sich nur einmal kurz in das Tier hineinversetzen. Der Tag beginnt – zumindest bei Shootings zu Sonnenaufgang – ganz falsch. Der Besitzer ist viel zu früh wach oder im Stall, es wird sehr viel Wert auf sauberes Fell gelegt, wo das doch normalerweise nicht so wichtig ist. Es geht früh hinaus, da ist dann auf einmal noch so eine komische Person anwesend, die man nicht kennt und was am Allerschlimmsten ist: Frauchen/Herrchen benimmt sich komisch.

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Was hat jetzt mein Benehmen damit zu tun, dass mein Tier nicht mehr hört?

Ganz einfach: Alles.
Mittlerweile bin ich schon sehr gut darin, den Nervositätsgrad der Besitzer am Verhalten ihrer Tiere abzulesen. Egal, wie ihr versucht, es zu überspielen, eure Tiere lesen euch wie ein offenes Buch. Ihr benehmt euch ein wenig anders als sonst, seid vielleicht etwas angespannter, eure Bewegungen nicht so flüssig wie sonst. Dinge, die ich nicht einschätzen kann, weil ich euch meistens auch das erste Mal sehe, sehen eure Lieblinge sofort.

Der Lieblingsmensch benimmt sich anders als sonst. Etwas stimmt also nicht.
Und schon steigt auch beim Tier der Stresspegel an und verschafft sich durch diverse Übersprungshandlungen Luft. Bei extrovertierteren Fellnasen äußert sich das gerne in allgemeiner Unruhe, im nicht stillstehen können, sich der Situation durch weglaufen entziehen oder hektischem Fressen.
Introvertiertere Tiere äußern ihren Stress durch festfrieren, nicht mehr hören, gähnen, wegschauen oder noch subtiler durch ein festes Maul und Sorgenfalten über den Augen.

Was kann ich tun, um meinem Tier den Stress zu nehmen?

Das beste, was du tun kannst, ist selbst entspannt bleiben.
Die meisten Tiere orientieren sich gerade in neuen Situationen sehr stark an ihrem Menschen und wenn du ausstrahlst, dass das alles ganz in Ordnung ist, dann ist dein Liebling automatisch auch ruhiger.
Ja, ich weiß, so ein Fotoshooting bedeutet auch für dich Stress. Es ist auch für dich eine ungewohnte Situation, du weißt nicht, was auf dich zukommt und wer denn diese Person da hinter der Kamera ist, ob das alles klappen wird, wie du es dir vorstellst oder ob irgendetwas schreckliches passieren wird.

All diese Sorgen kann ich dir nicht nehmen. Aber ich kann dir sagen: auch ich bin noch vor jedem Shooting nervös. Ich weiß auch nicht, was auf mich zukommt, ob wir auf einer Wellenlänge sind, ob ich meine Kamera gut unter Kontrolle habe und meine Fotos dir am Ende gefallen werden.
Auch ich mache mir viele, viele Gedanken und kann oft in der Nacht vor einem Fotoshooting nicht schlafen – obwohl ich das nun doch schon ein paar Jahre mache und diese Situation eigentlich schon gut kenne 😉

Es ist oft sehr spannend zu beobachten, wie Mensch und Tier ihr Verhalten im Verlauf des Shootings verändern. Oftmals merkt der Besitzer dann, dass das ja alles eigentlich ja ganz lustig ist, ich niemanden auffresse und eine gewisse Erleichterung und Entspannung setzt ein.
Gerade bei Pferden kann ich diesen Moment der Erleichterung des Besitzers mittlerweile schon sehr gut erkennen. Oft gibt es dann ein ganz deutliches Abschnauben, der Hals entspannt sich und der Blick wird weich. Meistens benimmt sich das Tier ab diesem Zeitpunkt dann auch wieder so, wie es der Besitzer kennt.

Meine kleinen Tricks, um den Besitzer zu entspannen

Über die Jahre habe ich für mich ein paar kleine Tricks und Kniffe gesammelt, die meistens ganz gut funktionieren. Ein paar dieser „Geheimnisse“ lüfte ich gern für euch, auch, wenn nicht viel Spektakuläres dabei ist 😉

Der aller, aller, aller wichtigste Trick, den ich auf Lager habe, ist die Zeit.
Ich arbeite immer ohne Zeitdruck, starte Fotoshootings früh genug und lasse auch sehr gerne Zeit für Pausen dazwischen. Ihr braucht euch keine Sorgen machen, dass das Shooting teurer wird, wenn es länger dauert oder dass ich ungeduldig werde, wenn etwas nicht sofort funktioniert. Ich bringe immer genug Zeit mit um ganz entspannt mit euch zu arbeiten.

Ich selbst würde mich als eher schüchternen Menschen bezeichnen, mir fällt es oft schwer, auf Leute zuzugehen oder Gespräche anzufangen.
Bei jedem Fotoshooting muss ich auch immer ein wenig über meinen Schatten springen. Ich bin dafür verantwortlich, dass ihr euch wohl fühlt, euch fallen lassen könnt und die innere Anspannung verschwindet. Also wundert euch nicht, wenn ich anfange, euch über eure Fellnase auszufragen – ich liebe es, eure Geschichten zu hören und ich weiß, dass durch lockere Gespräche viele Unsicherheiten verschwinden können. Ihr atmet dann anders, denkt an schöne Dinge (euer Tier ;)) und nicht mehr daran, was alles schlecht laufen könnte.

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Ein anderer Trick ist der „ich mache nur ein paar Testaufnahmen“-Trick.
Mache ich dann nämlich nicht.
Jetzt ist es raus.
Ich kenne meine Kamera und kann Lichtverhältnisse mittlerweile sehr gut einschätzen. Wenn ich „Testaufnahmen“ mache, dann weiß ich, dass ihr euch auf etwas anderes konzentriert und das Klicken der Kamera nicht mehr auf euch bezieht. Oft kommen dabei ganz wunderbare, entspannte Bilder heraus. Ihr wollt das Tier dann nicht auf Biegen und Brechen richtig positionieren sondern seid wieder ganz locker im Umgang – diese Entspannung sieht man auf den Bildern sofort.
Außerdem gewöhnt ihr euch so an all diese Geräusche, die ich und die Kamera so machen.

Ich liebe schlechte Witze und habe keine Skrupel, diese auch bei Fotoshootings einzusetzen. Auch wenn ihr euch eher über das schlechte Wortspiel lustig macht, Lachen ist immer die beste Medizin.

Pausen.
Pausen sind absolut wichtig. Für uns alle, aber hauptsächlich auch für das Tier. So ein Fotoshooting ist sehr anstrengend und zwischendurch einfach mal die Nase ins Gras stecken oder über die Wiese toben ist oft notwendig.
Hier seid auch ihr als Besitzer gefragt.
Wenn ihr das Gefühl habt, dass eine Pause notwendig ist, dann dürft ihr mich auch gerne unterbrechen und das ansprechen. Mir ist es wichitg, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen und wie schon erwähnt, bringe ich immer genug Zeit mit.

Wie benimmt sich mein „Traummodel“?

Das Model meiner Träume muss eigentlich nur eine Sache gut können: ruhig stehen bleiben, wenn der Besitzer ein paar Schritte aus dem Bild geht.
Alles andere (Ohren nach vorne, besondere Tricks, entspannter, aufmerksamer Blick,…) sind nur Kirschen auf dem Sahnehäubchen.
So einfach kann es sein, einen Fotografen glücklich zu machen.

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Fazit

Das alles lässt sich natürlich auch in wenigen Worten auf den Punkt bringen:

Euer Tier benimmt sich nicht falsch, es ist nur mit der neuen Situation überfordert oder davon gestresst.
Macht es ihm leichter, indem ihr entspannt bleibt und nicht verbissen auf Dinge beharrt, die in diesem Moment und emotionalen Zustand einfach nicht funktionieren können.
Ich bin auch nur ein Mensch und ganz genau so nervös wie ihr, also braucht ihr keine Angst vor mir zu haben.
Wenn ihr seht, dass eine Pause benötigt wird, dann sagt mir das einfach, Zeit haben wir immer genug.

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