Wenn sich Kleinigkeiten summieren

Die letzten Wochen waren für mich – vorsichtig ausgedrückt – anstrengend.
Ihr habt es sicherlich gemerkt, denn auch der Blog und generell die Fotografie mussten darunter leiden. Mir ein interessantes Thema zu überlegen, mir einen roten Faden zu suchen, zu schreiben und zu recherchieren ging einfach nicht mehr. Ich hatte ja nicht einmal mehr die Nerven dafür, abends auch nur ein einziges Foto zu bearbeiten.

„Den“ Auslöser für diese Pause gab es eigentlich gar nicht. Es waren viele kleine und ein bisschen größere Dinge, die alle für sich alleine wohl keine große Sache gewesen wäre, aber in der Summe doch zu viel für mich waren. Tja, 100 mal 1% macht am Ende auch 100% 😉

Eine etwas größere Sache war natürlich die Klausur letzte Woche, die mich davor schon einige Nerven gekostet hat. Ich bin leider doch zu perfektionistisch veranlagt und meine Erwartungen an mich selbst kann ich realistisch betrachtet einfach nicht erfüllen – nicht unter den Umständen.

Dazu war im Hauptjob noch einiges zu tun, denn trotz Stundenreduktion muss die Arbeit ja erledigt werden, die Bachelorarbeit möchte geplant werden und die ersten Versuche dafür dann auch durchgeführt werden.

Und oben drauf kam dann ja natürlich noch die Umgestaltung des kompletten Lebens durch das Hundekind, das im November eingezogen ist. So als Ersthundebesitzer ist das doch eine große Umstellung und es geht erstmal viel Zeit verloren, bis man sich aneinander gewöhnt hat und so etwas wie Alltag einkehren kann. Und wer ebenfalls einen äußerst reaktiven Tierschutzhund sein Eigen nennt, der kann bestimmt auch nachvollziehen, dass auch die Spaziergänge da erstmal keine Entspannung bringen. Ganz im Gegenteil, muss doch der Horizont permanent nach eventuellen Auslösern und Ausweichrouten abgescannt werden.

Hilfe, mein Tier benimmt sich nicht | keine Lust | Katzenfotografie | München | Sarah Koutnik Fotografie

Und plötzlich steht man andauernd unter Strom

Irgendwann war dann der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr ohne schlechtes Gewissen auf der Couch sitzen konnte. Ich musste doch dies das und jenes noch lernen und erledigen, Mails schreiben, den Hund trainieren, den Haushalt führen und „Sachen machen“!

Der Schlaf wurde schlechter, ich andauernd müde und schlecht gelaunt – und endlich hab ich es dann auch kapiert, dass es so nicht weiter gehen kann. Dass diese Erkenntnis schon so früh kam, hat mich sogar selbst überrascht. Und so habe ich mein Anti-Stress-Programm gestartet.

 

  1. Früher aufstehen und den Morgen nutzen

Das klingt jetzt erstmal nicht nach weniger Stress, war für mich aber der Weg raus aus dem Hamsterrad.
Ich stehe jeden Morgen ein paar Minuten früher auf. Minuten, die ich nur für mich habe. Da gibt es kein Handy, keine Musik, keine Bücher, kein Tablet. Nur meine Yogamatte und mich. Die erste halbe Stunde des Tages gibt es nur eine kurze Yoga-Sequenz, gefolgt von einer 10-minütigen Meditation. Dieses Morgenritual hilft mir so viel entspannter in den Tag zu starten.  Außerdem habe ich gelernt, mich nur durch Konzentration auf meinen Atem zu entspannen.

 

  1. Nicht mehr immer erreichbar sein

Mein Handy ist jetzt permanent lautlos. Nur zwei meiner Kontakte sind priorisiert und entlocken dem kleinen Gerät noch Töne. Es ist für mich so viel entspannter, weil ich nicht das Gefühl habe, sofort auf diverse Nachrichten antworten zu müssen. Oft merke ich erst abends, was ich alles „verpasst“ habe und viele Dinge haben sich bis dahin auch schon wieder ganz von selbst erledigt, so dass ich mir darum auch gar keine weiteren Gedanken mehr machen muss.

 

  1. Den Moment genießen

Wenn der Hund gekuschelt werden möchte, dann nehme ich mir die Zeit für ihn und denke dabei nicht daran, was noch alles erledigt werden muss oder morgen auf mich wartet. Wenn ich mit meinem Freund herumblödle, dann genieße ich das und überlege nicht, welche Dinge ich vergessen habe zu erledigen. Und wenn ich mit meinem Kaffee auf dem Balkon in der Sonne sitze, dann schließe ich die Augen und höre dem Vogelgezwitscher zu ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

 

  1. Warten lassen, was warten kann

Darunter fielen auch der Blog und die Fotografie. Auch wenn es das von mir gesetzte Ziel des wöchentlichen Blogbeitrags boykottierte, es war die richtige Entscheidung.
Auch der Haushalt wurde einfach mal auf die lange Bank geschoben, lernen war dann doch wichtiger als die paar Hundehaare auf dem Boden. Es gab keine Fototermine, keine Bilder, die noch fertig gemacht werden mussten. Auch das hat viel Stress genommen.

Sarah Koutnik Fotografie | Mischling aus Rumänien am Vorderriß | Lieblingshund | weniger Stress mehr atmen

Und jetzt?

Jetzt sind die größten Brocken weg. Die Klausur ist geschrieben, im Hauptjob hat sich soweit auch wieder einiges entspannt und der Alltag mit dem Hundekind ist eingekehrt.

Natürlich warten da die nächsten Dinge.
Bis zum Ende des Studiums müssen noch zwei Klausuren geschrieben, einige Hausarbeiten erledigt, zwei Präsenzphasen überlebt und eine Bachelorarbeit angefertigt werden.
Und es wird ganz bestimmt wieder Wochen geben, in denen es hier im Blog ruhig wird, weil andere Dinge erstmal Vorrang haben. Aber ich werde mein 4-Punkte-Programm weiterhin beibehalten und so zumindest einiges an Stress sicher schon früher abfangen können 😉