Immer wieder dieser Satz…

“Du musst doch nur auf den Knopf drücken, mach da doch keine so große Sache draus!”
Ach ja.
Jeder, der sich ein wenig näher mit der Fotografie beschäftigt, hat diesen oder ähnliche Sätze bestimmt schon oft gehört. Wie oft ich ihn schon gehört habe, kann ich gar nicht genau sagen. Oft genug auf jeden Fall. Ich habe schon auf unterschiedlichste Weise auf diesen Satz reagiert. Angefangen mit Erklärungen, warum da mehr dahinter steckt, oft abgetan mit einem “Pah, die Technik ist doch mittlerweile so weit fortgeschritten!”. Es folgten Rechtfertigungen, dass das alles wirklich nicht nur auf den Knopf drücken ist, wiederum abgetan mit einem “Pah, die Technik und überhaupt, schau mal, welche tollen Fotos mein xyz-Phone macht!”. Irgendwann kam auch eine Phase, in der ich mehr oder weniger ungehalten reagiert habe. Ich konnte es nicht mehr hören und ich wusste, dass meine Erklärungen nicht fruchten würden. Es ist schon frustrierend, wenn die eigene Arbeit als “nur auf einen Knopf drücken müssen” abgestempelt wird.

Was steckt dahinter?

Nur wenige sehen, wie viel eigentlich hinter einem Bild steckt. Und ich rede jetzt nicht von den Stunden der Bildbearbeitung, sondern ausnahmsweise wirklich von der Technik. Für mich war es schon immer wichtig, zu verstehen, was dieser Zauberkasten da in meiner Hand eigentlich treibt. Warum funktioniert dieses Teil, welche physikalischen Prinzipien stecken dahinter, was passiert, wenn ich dieses und jenes Rädchen drehe, wie beeinflusst der Blitz mein Bild und überhaupt: was ist dieses ominöse Belichtungsdreieck?

Natürlich kann man auch im Automatikmodus bleiben und wirklich nur aufs Knöpfchen drücken und den Rest die – mittlerweile wirklich schon überaus gute – Technik machen lassen. Aber trotzdem. Irgendwann kommt man dann doch in schwierige Belichtungssituationen, sei es Dämmerung, Gegenlicht oder Nebel. Irgendwann reicht einem das, was die Kamera so für sich selbst zaubert nicht mehr aus und man fragt sich, ob dieses Foto auch anders aussehen könnte.
Und dann beginnt die wunderbare Reise in das Land der Technik und Physik. Ich habe schon sehr, sehr viel Zeit damit verbracht, zu lesen, zu lernen und auszuprobieren.

Plötzlich reicht es nämlich auch nicht mehr, die Technik zu verstehen. Nun muss man auf einmal auch das Licht um sich herum verstehen. Man lernt Dinge über Kontraste, Streulicht und Farbtemperatur und fühlt sich plötzlich ganz klein – dabei wollte man doch eigentlich nur ein bisschen besser auf den Knopf drücken 😉

Nur auf den Knopf drücken | Minishetty Inchalla | Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München Krailling Bayern

Dann kommt der Frust

Wenn man sich dann endlich ein halbwegs profundes Wissen über die Technik und die Physik der Fotografie angeeignet hat, beginnt der eigentliche Spaß: das Umsetzen in die Praxis. Und die vielen, vielen Stunden des Ausprobierens, des Freuens und des Frusts. So schön alle Theorie auch ist, das auch noch umzusetzen ist nicht immer so einfach. Momente verfliegen, während man an den Einstellungen seiner Kamera herumdoktort und es schon wieder nicht schafft, dieses eine Foto zu machen.
Doch es folgt ganz unerwartet dieser eine Augenblick, an dem die Finger wie von selbst an Tasten und Rädchen wandern, man das Licht sieht und ganz instinktiv die Einstellungen blind vornimmt und sich all die Übungsstunden gelohnt haben. Und diese Momente kommen immer häufiger, bis man innerhalb von nur wenigen Jahren sein Werkzeug so gut im Griff hat, dass es tatsächlich so einfach aussieht. Als ob man nur den Knopf drücken müsste.

Und wenn der Satz heute kommt?

Natürlich höre ich diesen Satz noch immer. Aber mittlerweile ist mein Umgang damit ein gänzlich anderer. Meistens habe ich meine Kamera in solchen Momenten bei mir – und dann geht wandert sie mit einem freundlich lächelnden “Bitteschön, du musst einfach nur auf den Knopf drücken.” in die anderen Hände. Plötzlich sind da dann doch viel zu viele Knöpfe, Tasten, Rädchen – und wenn man auf den großen drückt, kommt ein unscharfes Foto raus, das so gar nicht aussieht, wie man sich das vorgestellt hat.

Und ich? Ich lächle in mich hinein.
Muss ja niemand wissen, dass ich kurz vor der Übergabe noch ein wenig an den Rädchen gedreht habe, so dass ein einfaches auf den Knopf drücken nicht mehr ausreicht 😉

Hilfe, mein Tier benimmt sich nicht | Zunge zeigen | Pferdefotografie | München | Sarah Koutnik Fotografie