Workflow – Sommerschnee

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Sommerschnee – der Workflow

Ende letzten Jahres habe ich euch das erste Mal einen etwas detaillierteren Einblick in meine Arbeit gegeben, mit dem Beitrag zur Entstehung von Kjarkurs Schulterblick. Ich war mir nicht ganz sicher, ob das denn für euch überhaupt interessant ist, aber eure Reaktionen, Kommentare, Nachrichten,… waren alle durchwegs positiv. Ich habe mich also entschlossen, euch regelmäßig solche Beiträge zu verfassen und habe euch dann auch über das Foto abstimmen lassen, das als nächstes genauer unter die Lupe genommen werden soll.

Ihr habt euch ziemlich eindeutig für das Foto „Sommerschnee“ entschieden und musstet dann viiiiel zu lange warten – leider waren einige Dateien verschwunden und ich musste nochmal komplett von vorne mit der Bearbeitung des Fotos anfangen. Ich wollte mir genug Zeit dafür nehmen, damit ich auch genauer auf eure Fragen und auf die für euch interessanten Bereiche eingehen kann. Aber was lange währt, wird endlich gut und somit geht es mit dem Workflow endlich in die zweite Runde.

Wie immer freue ich mich über all eure Rückmeldungen – gebt mir gerne Bescheid, wenn euch noch etwas unklar war, etwas gefehlt hat oder ihr noch mehr Informationen haben wollt. Ich bemühe mich, all eure Fragen so schnell wie möglich zu beantworten. Und jetzt viel Spaß beim Lesen (und hoffentlich auch lernen) 🙂

Das fertige Foto – oder: Worum es heute geht

Das Bild, für das ihr euch entschieden habt, ist das Foto „Sommerschnee“, das ich im Mai 2016 im Rahmen eines TfP-Projektes aufgenommen habe:

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Die Ausgangssituation – oder: Wo ist das Licht?

Noch kurz vor dem Fotoshooting war gar nicht so sicher, ob es denn überhaupt stattfinden wird. Es war ein sehr warmer Tag Ende Mai und immer wieder sind dicke Gewitterwolken um München herum gezogen. Auch kurz vor der Abfahrt Richtung Ismaning sind im Norden schwarze Wolken aufgezogen, die nicht viel Gutes verhießen. Es regnete dann auch, aber pünktlich zu Beginn des Shootings kam die Sonne hervor und wir hatten eine ganz außergewöhnliche Lichtstimmung. So kurz nach dem Gewitter, obwohl es schon Richtung Sonnenuntergang ging, war die Sonne noch stark genug, um den Boden ein wenig zum Dampfen zu bringen, was das Licht wunderbar weich machte.
Wir machten uns also auf den Weg und hatten schon einiges fotografiert, als wir auf dem Weg zu einer Stelle, an der wir ins Wasser gehen konnten, auf diesen von Pappeln gesäumten Weg kamen. Das Glück war auf unserer Seite, denn die Bäume hatten beschlossen, kurz nach dem Regen in der Abendsonne noch einmal ihre Samenkapseln zu öffnen und ihre Pollen fliegen zu lassen. Noch dazu war der Sonnenstand perfekt, um Fotos im Gegenlicht zu machen. Die im Gegenlicht tanzenden Pappelpollen sahen aus wie leuchtender Schnee (oder kleine Feen – ja, ich mag es manchmal kitschig). Also wurde das Pferdemodel kurzerhand in den kleinen Grünstreifen am Rand des Weges geparkt und ich warf mich ein paar Meter weit weg schnell auf den Boden – ein Pferd im Sommerschnee, schon beim Blick durch den Sucher war ich begeistert <3

Gegenlichtsituationen bei so starker Sonnenstrahlung sind immer eine kleine Spielerei, sie gut zu belichten ist nicht ganz so einfach.
Ich versuche dann immer, auf eine leichte Überbelichtung hinzuarbeiten, mir ist wichtiger, das mein Hauptmotiv halbwegs gut ausgeleuchtet ist, und mir keine Details in den dunklen Bereichen verloren gehen („absaufen“). Mit einem überstrahlten Himmel kann ich besser umgehen, als mit schwarzen Flecken statt Augen.

Hier also für die Interessierten die EXIF-Daten:
Kamera: Nikon D600
Objektiv: Nikkor 70-200mm, f/2,8
Brennweite: 200mm
Blende: f/2,8
Belichtungszeit: 1/1600 sec
ISO: 640

Der Rohling – oder: Wie sieht das direkt aus der Kamera aus?

Hier ist also das fertige Bild, „direkt aus der Kamera“. Wie beim letzten Mal gilt natürlich auch bei diesem Foto: nachdem ich im RAW-Format fotografiert habe, ist das hier die jpg-Interpretation meines Laptops/Lightrooms zu dieser Rohdatei.

Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München | Tipps und Tricks | Workflow Sommerschnee | das vorher Foto

Der Ausschnitt – oder: Warum gerade dieses Bild?

Auch hier möchte ich euch wieder das Foto zeigen, das kurz vor dem ausgewählten Bild, und das, das kurz danach entstanden ist.

Hier ist es nicht ganz so spannend wie beim Schulterblick-Foto, es ist relativ eindeutig, warum es dann das Foto geworden ist, das es geworden ist.
Das Vorher-Bild:
Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München | Tipps und Tricks | Workflow Sommerschnee | das Bild davor

Die Fotos davor waren alle querformatige Bilder. Hier sieht man also noch das letzte im Querformat, bevor ich dann ins Hochformat gewechselt habe.
Die Aufmerksamkeit liegt hier auf dem Auto, das kurz davor an uns vorbei gefahren ist, und durch den gewählten Bildausschnitt gerade nicht mehr zu sehen ist. Ich mag dieses Bild auch ganz gerne, habe mich dann aber für ein anderes horizontales Foto entschieden, das ihr in der zu dem Shooting gehörenden Galerie sicher schnell finden werdet.

Das Foto, das kurz danach entstanden ist, ist dieses hier:

Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München | Tipps und Tricks | Workflow Sommerschnee | das Bild danach

Ich mochte den Ausdruck auf dieser Aufnahme sehr gerne, diesen frech-fragende Blick in meine Richtung. Leider sitzt der Fokus nicht ganz am Auge und auch der Bauch wurde angeschnitten. Der Bildschnitt stimmt auf den darauf folgenden Fotos besser, jedoch habe ich auf keinem weiteren Bild mehr seine Aufmerksamkeit auf mich lenken können. Ich könnte natürlich den Bauch und fehlenden Hintergrund von einem anderen Foto nutzen und via Photohop an dieses Bild basteln, allerdings bin ich davon kein großer Fan. Vielleicht hätte ich mir diesen Aufwand angetan, wenn ich kein anderes brauchbares ähnliches Bild gehabt hätte, was ja nicht der Fall war 😉

Lightroom – oder: Der erste Bearbeitungsschritt

Auch dieses Foto wandert, so wie jedes meiner Bilder, als erstes durch die Lightroom-Entwicklung. Hier war ein wenig mehr zu tun, als beim Schulterblick Foto.
Da es eine Gegenlichtsituation war, musste bei der Belichtung mehr angepasst werden. Die überstrahlten Bereiche des Himmels (Lichter) wurden abgedunkelt und das zu dunkle Pferd (Tiefen) deutlich aufgehellt. Um wieder ausreichend Kontrast ins Bild zu bringen, wurden die ganz dunklen Töne (Schatten) verstärkt, also dunkler gemacht und die Weißtöne einen Ticken heller gemacht. So entferne ich den flauen Schleier, der sich über das Bild legt, wenn ich die Tiefen aufhelle und die Lichter abdunkle.

Ich hatte zu diesem Bild außerdem eine ganz andere Farbstimmung im Kopf. Dort, in dieser Situation, waren die Farben wärmer und knalliger, die Sonne hatte noch viel Kraft und hat gut gewärmt und alles fühlte sich mehr nach Sommer an. Deshalb habe ich über den Weißabgleich, die Teiltönung und die Sättigung der einzelnen Farben versucht, das Gefühl, das ich beim Fotografieren hatte, nach zu empfinden.

Außerdem habe ich das Bild noch ein wenig zugeschnitten, um eine interessantere Komposition zu erreichen.

Nach der Lightroombearbeitung sieht das Bild dann so aus – ich habe euch diesmal gleich die Gegenüberstellung des Vorher-Fotos im Vergleich zum entwickelten Bild gebastelt, damit ihr direkt sehen könnt, was sich im ersten Bearbeitungsschritt schon getan hat:

Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München | Tipps und Tricks | Workflow Sommerschnee | Vergleich Vorher nach Lightroom Bearbeitung

Photoshop – oder: Wann verschwindet endlich das Halfter?

Auch auf diesem Foto gibt es noch ein Halfter und einen Strick, die beide noch „verschwinden“ müssen, um den von mir gewünschten Bildlook zu erhalten.

Heute habe ich euch das ein bisschen genauer dokumentiert. Ich arbeite bei der Retusche über viele Ebenen und Teilabschnitte, um so wenig destruktiv zu arbeiten, wie möglich. Wenn mir dann etwas nicht ganz so gut gefällt, muss ich nicht tausend Schritte wieder rückgängig machen, sondern kann einfach die zugehörige Ebene löschen und verliere nicht zu viel Informationen.

Im ersten Retusche-Schritt wird zunächst der Strick grob entfernt, das sieht dann so aus:

Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München | Tipps und Tricks | Workflow Sommerschnee | grobe Retusche des Stricks

unsaubere Stellen habe ich euch auf dem Bild markiert, da wird dann im nächsten Schritt mit feineren Einstellungen und Werkzeugen gearbeitet, um diese letzten paar Stellen auszumerzen. Nach der detaillierteren Nachbearbeitung sieht das Bild so aus:

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Weiter geht es mit dem Halfter, auch hier kommt zunächst eine ziemlich grobe Retusche, ich habe euch wieder einige unsaubere Stellen eingezeichnet:

Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München | Tipps und Tricks | Workflow Sommerschnee | grobe Retusche des Halfters

Auch hier folgt dann noch das Finetuning:

Sarah Koutnik Fotografie | Pferdefotografie München | Tipps und Tricks | Workflow Sommerschnee | feine Retusche des Halfters

Man kann sich jetzt natürlich fragen, warum ich nicht gleich mit den feineren Werkzeugen arbeite? Früher habe ich das auch gemacht, allerdings habe ich dann irgendwann festgestellt, dass das grobe Retuschieren in den meisten Fällen sehr gute Arbeit leistet und ich nur noch speziellere Stellen feiner nachbearbeiten muss. Ich spare mir dadurch unglaublich viel Zeit ein, die ich für Fortbildungen oder andere Fotoshootings/Fotobearbeitungen (oder für Cappuccino und Kuchen) nutze. (Okok, es wird fast immer Cappuccino und Kuchen….)

Mein letzter Bearbeitungsschritt ist auch bei diesem Foto das dodge&burn. Dieser finale Schliff ist mein liebster Teil der Bearbeitung und ich nehme mir dafür gerne sehr viel Zeit. Die Züge des Pferdes auf diese Art und Weise fein herausarbeiten, subtil den Blick des Betrachters lenken, das macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß.

Hier gab es nicht so viele Linien, um euren Blick zu lenken, also habe ich mehr Wert auf die Herausarbeitung des Pferdes gelegt. Die dodge&burn Ebene sieht bei diesem Foto also so aus:

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Gegenüberstellungen – oder: Ich möchte nicht so viel scrollen

Um alle Bearbeitungsschritte nocheinmal zu verdeutlichen, zeige ich euch hier nochmal die Gegenüberstellungen der einzelnen Schritte.

Zunächst noch einmal den Vergleich Rohbild – Lightroom:

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Und hier nocheinmal Lightroom – finales Foto:

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Und der Vollständigkeit halber der große Vorher – Nachher – Vergleich:

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Kritik – oder: Was ich beim nächsten Mal besser machen möchte

Mit diesem Foto bin ich ehrlich gesagt sehr zufrieden. Beim nächsten Mal würde ich vielleicht noch ein paar Millisekunden früher auf den Auslöser drücken wollen, mit dem Fall des Schweifs bin ich nicht so zufrieden. Außderdem würde ich wohl ein bisschen mehr auf Führungslinien und Formen im Bild achten, um den Blick des Betrachters ein wenig besser lenken zu können. Durch eine etwas höhere Position hätte ich zum Beispiel noch den Weg als Linie, die ins Bild hinein führt, verwenden können. Und auch die Form der Bäume im Hintergrund hätte ich noch besser zur Einrahmung des Pferdes nutzen können.

Ganz allgemein bleibt mir dieses Fotoshooting sicher lange in Erinnerung. Die fliegenden Pappelpollen, das zarte Licht und die wunderschönen Locations, dazu dieser unglaublich schöne Wallach… Ich war ganz verzaubert und finde bei jedem Mal, an dem ich die entstandenen Bilder des Shootings durchgehe neue Favoriten, die ich dann bearbeite 🙂

 

Ich hoffe, auch dieser Einblick „hinter die Kulissen“ hat euch gefallen! Wie immer freue ich mich über eure Anregungen zu dieser Sparte hier im Blog. Wollt ihr mehr wissen? War es zu detailliert? Fehlt euch noch etwas? Schreibt mir gerne – über die Kommentarfunktion, Facebook, Instagram, Mail oder WhatsApp, ich freue mich, wenn ich euch helfen kann!

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