Workflow „Kjarkur – Schulterblick“

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Einleitung – oder: was soll denn das jetzt werden?

Ich werde immer wieder mal gefragt, wie denn bestimmte Bilder zustande kommen, wie viel ich bearbeite, wie das Foto vorher ausgesehen hat, wie man mit bestimmten Bedingungen umgeht und ähnliches.
Deshalb habe ich mir gedacht, ich erzähle euch ganz genau, was so alles passiert, bevor ihr das Foto schlussendlich zu sehen bekommt.

Hier brauche ich aber eure Hilfe: Ich würde euch bitten, mir hierzu Feedback zu geben. Gefällt euch die Idee? Könnt ihr daraus etwas mitnehmen? Was sollte ich ändern? Soll ich es lassen oder regelmäßig solche Bildbesprechungen hier auf dem Blog zeigen?
Bitte nehmt euch nach dem Lesen ein paar Minuten Zeit und schreibt mir entweder ein Kommentar direkt hier unter dem Beitrag, schickt mir eine Mail an info@sarah-koutnik.de oder hinterlasst euer Feedback gerne auf Facebook.

Das fertige Foto – oder: worum es heute geht

Das Bild, das ich heute mit euch besprechen möchte, ist das Schulterblickfoto von Kjarkur, dem Isländer:

Kjarkur | Sarah Koutnik Fotografie | Workflow | Pferdefotoshooting | Isländer | Schulterblck | Pferdefotografie | München

Die Ausgangssituation – oder: wo ist das Licht?

Man kann ein Fotoshooting noch so sehr planen, am Ende ist immer alles anders, als man denkt. Hier war eigentlich ein romantisches Sonnenaufgangsfotoshooting geplant, mit sanftem Licht und zarten Pastelltönen. Leider hat die Sonne beschlossen, sich hinter einer Wolkenwand zu verstecken.

Wolken sind aber glücklicherweise nur all zu oft des Fotografen beste Freunde. Sie zerstreuen das Licht wie ein riesiger Durchlichtschirm und sorgen für gleichmäßige Ausleuchtung. Wenn ihr euch das Foto genauer anseht, werdet ihr sehen, dass keine harten Schatten vorhanden sind. Man kann nicht gleich auf den ersten Blick sagen, aus welcher Richtung das Licht kommt, die komplette Szene ist balanciert ausgeleuchtet.

Insgesamt war es eine recht einfach zu belichtende Situation. Kein starkes Gegenlicht vorhanden, das den Autofokus beeinträchtigt, kein direktes Sonnenlicht, bei dem man sich entscheiden muss, ob man gewisse Teile des Fotos überbelichten oder lieber unterbelichten möchte, weil der Sensor der Kamera die dynamische Bandbreite nicht so gut wie das Auge abdecken kann.

Für interessierte gibt es hier also die Aufnahmeeinstellungen (die EXIFs)
Kamera: Nikon D600
Objektiv: Nikkor 70-200mm, f/2,8
Brennweite: 125mm
Blende: f/3,5
Belichtungszeit: 1/1250 sec
ISO: 1600

Der Rohling – oder: wie sieht das direkt aus der Kamera aus?

So sieht das Bild – fast – ohne Bearbeitung aus.
Warum fast?
Ich fotografiere im RAW-Modus der Kamera, um bei der anschließenden Bearbeitung die größtmögliche Menge an Informationen und Daten im Bild zu haben, damit ich es so „formen“ kann, wie ich es mir vorstelle. Um euch das Foto hier zeigen zu können, muss es allerdings in ein jpg-Format umgewandelt werden, dabei „entwickelt“ mein Laptop das Bild für mich. Diese „Entwicklung“ entspricht aber in etwa dem, was ich dann als Rohdatei in Lightroom und Photoshop bearbeite:

Kjarkur | Sarah Koutnik Fotografie | Workflow | Pferdefotoshooting | Rohdatei

Nun könnt ihr gerne schon einmal wieder hochscrollen und vergleichen, was denn so an diesem Foto alles passiert ist 😉

Der Ausschnitt – oder: warum gerade dieses Bild?

Hier möchte ich euch die Fotos zeigen, die kurz vorher und kurz nachher entstanden sind und euch erklären, warum ich mich gerade für dieses eine Bild entschieden habe, denn der eigentliche Workflow beginnt schon während der Aufnahme mit der Wahl des Bildausschnittes.

Das folgende Foto zeigt die Aufnahme kurz vor dem ausgewählten Schulterblick.
Man sieht schon, in welche Richtung es gehen sollte, aber die Abstellung des Kopfes war mir hier noch nicht stark genug. Auch ist Kjarkur hier mit seinen Gedanken und somit auch seinem Blick nicht bei mir. Prinzipiell wäre dieses Foto aber auch in meiner engeren Auswahl gelandet und wäre nicht der obige Schulterblick noch entstanden, hätte ich mich wohl für dieses Bild entschieden.
Kjarkur | Sarah Koutnik Fotografie | Workflow | Pferdefotoshooting | Rohdatei | Vorher
Nun kommt das Foto, das kurz danach entstanden ist.
Hier sieht man noch die deutliche Ähnlichkeit zum finalen Bild, allerdings ist deutlich mehr von Kjarkurs Kruppe zu sehen.
Sein Blick ist zwar noch so halb bei mir, wandert aber schon wieder in Richtung Hecke (in der ein Vogel geraschelt hat, was für ihn eigentlich viel interessanter war, als der Mensch, der da mit dem Klickding vor der Nase auf dem Boden hockt), außerdem ist das Kinn schon leicht von der Kruppe verdeckt. Das hat schon ausgereicht, um das Foto für mich ausscheiden zu lassen.

Kjarkur | Sarah Koutnik Fotografie | Workflow | Pferdefotoshooting | Rohdatei | Nachher

Lightroom – oder: der erste Schritt des Workflows

Alle Fotos, die ich bearbeite, werde zunächst in Lightroom entwickelt. Dort gebe ich die Stimmung vor, die auf dem Bild herrschen soll, ich passe die Belichtung an, sorge für mehr oder weniger Kontrast, helle Schatten auf und dunkle ausgebrannte Stellen ab.

So sieht das Foto also nach dem ersten Entwicklungsschritt aus.
Kjarkur | Sarah Koutnik Fotografie | Workflow | Pferdefotoshooting | Lightroom
Da man hier nicht ganz so gut erkennt, was passiert ist, habe ich noch eine Gegenüberstellung für euch.
An der Belichtung habe ich nicht viel gemacht, da die Ausleuchtung so schön gleichmäßig war.
Ich wollte Kjarkurs Blick hervorheben und dem ganzen eine kühle, aber nicht zu kalte Stimmung verleihen. Deshalb habe ich den hellen Bereichen eine leichte Blautönung verpasst, die dunklen Bereiche leicht wärmer, also rot-orange getönt.
Die Grüntöne habe ich stark aufgehellt und ihre Sättigung verringert, damit sie nicht so stark von Kjarkur ablenken und einen leichten hellen Schein um seinen Kopf erzeugen.
Abgerundet wurde das Bild noch mit einer leichten Vignette, um die Ränder abzudunkeln und den Blick eher Richtung Auge zu führen.

Kjarkur | Sarah Koutnik Fotografie | Workflow | Pferdefotoshooting | Lightroom | vorher nachher

Photoshop – oder: wann verschwindet endlich das Halfter?

Aus Lightroom geht es dann hinüber in Photoshop. Und dort verschwindet dann auch endlich das Halfter. In diesem Fall durch eine Kombination aus Stempel und Healing-Tool. Diese zwei Hilfsmittel lassen sich perfekt kombinieren und mittlerweile verschwinden Knotenhalfter bei mir innerhalb von wenigen Minuten. Für meine allererste Retusche eines Halfters habe ich übrigens 3 Tage gebraucht. Übung macht auch hier den Meister und es ist kein großes Hexenwerk 😉

Photoshop kommt bei mir nicht nur zur Retusche zum Einsatz, sondern hauptsächlich auch noch, um die Fotos ein bisschen plastischer wirken zu lassen. Hierfür werden über eine separate Ebene Schatten dunkler gemacht, Helle Töne aufgehellt, das Auge lebendiger gemacht und der Betrachter über sanfte Formen und Linien durch das Bild geführt. Das sieht bei diesem Bild dann so aus:

dnb
Der Blick des Menschen wird von Augen quasi magisch angezogen. Das habe ich bei diesem Bild ausgenutzt und ein wenig verstärkt, indem ich den Randbereich des Bildes abgedunkelt habe, über nach innen zeigende helle und dunkle Linien Richtung Auge führe und den Bereich um Kjarkurs Kopf aufgehellt habe.

Am Ende ist dann das finale Foto herausgekommen, das ich euch oben schon gezeigt habe.

Kritik – oder: was ich beim nächsten Mal besser machen möchte

Ich selbst bin mein größter Kritiker und auch wenn mir ein Foto halbwegs gut gefällt, finde ich immer noch Dinge, die ich beim nächsten Mal besser machen möchte. Einerseits ist das schlecht, weil es mir dadurch sehr schwer fällt, positives Feedback aufzunehmen, andererseits ist es eine große Chance zur Weiterentwicklung.
Auch mit diesem Foto bin ich natürlich nicht komplett zufrieden. Die Rückenlinie aus dem Foto, das direkt danach entstanden ist, gefällt mir viel besser, da sie nicht durch den engen Bildausschnitt unterbrochen ist.

Kjarkur ist ein wunderschöner Isländer, der nicht nur auf Portraits glänzt, sondern seine ganz besondere Ausstrahlung erst unter dem Reiter so richtig entfalten hat. Mehr Fotos von ihm und seinen beiden Isi-Freunden gibt es bald in der Galerie.

Ich hoffe, dieser kleine Einblick in meinen Workflow hat euch gefallen! Nocheinmal möchte ich an ein bisschen Feedback erinnern 😉
Wenn ich das Gefühl bekomme, dass euch diese Bildbetrachtung gefällt, würde ich gerne eine Serie daraus machen. Ein weiteres Gedankenspiel wäre es, Fotos von euch zu besprechen und euch Feedback und Tipps direkt für eure Fotos zu geben. Würde euch das interessieren? Oder habt ihr noch ganz andere Vorschläge?
Ich freue mich auf eure Ideen!

One thought on “Workflow „Kjarkur – Schulterblick“

  1. Deine “Anleitung“ ist super geworden! Sehr schön zu lesen und leicht zu verstehen 🙂 Danke für diesen Beitrag. 😀

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